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Wahlkrampf-Endspurt

  • marcelseipel
  • 1. Sept. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Der Wahlkampf zur Kommunalwahl 2025 in NRW neigt sich dem Ende entgegen. Stadträte, Kreistage, Landrats- und Bürgermeisterposten werden nach dem 14. September 2025 in vielen Kommunen unseres Landes neu gemischt und besetzt sein. Zeit, kurz innezuhalten und die vergangenen Monate einmal Revue passieren zu lassen.


Als neuer Stadtratskandidat für den Wahlbezirk 13 in Übach-Palenberg konnte ich das erste mal nicht nur aus Bürgersicht miterleben, wie von verschiedenen Parteien der Wahlkampf geführt wird - aus der Perspektive eines noch völlig unbelasteten sieht man vieles mit anderen Augen. Einiges jedoch stößt durch das aktive Dabeisein umso saurer auf.


Arsch huh! Die Vorbereitung auf den Wahlkampf begann bei uns schon früh - ob Wahlprogramm, die sorgfältige Auswahl der Kandidaten für den Stadtrat und Kreistag, die Planung unserer Aktionen oder die Wahl unserer Bürgermeisterkandidatin - wir wollten Struktur, Klarheit, das Beste vom Besten und einen roten Faden. Nicht nur für uns, sondern für die Bürger*innen unserer Stadt. Denn um die geht es - nicht "letztenendes", sondern "vor allem".


Deshalb gab es von uns kein Larifari sondern ein vernünftiges Wahlprogramm von Übach-Palenbergern für Übach-Palenberger, deswegen waren und sind wir unterwegs um uns euch und euren Fragen (und eurer Kritik) zu stellen, deswegen versuchen wir, auf Veranstaltungen wie zB "Auf eine gratis Pommes mit..." möglichst viele Menschen zusammenzubringen und, wie es so schön heisst, Kommunikationskanäle herzustellen und zu erhalten, um eure Meinungen und Anregungen mitzunehmen.

Auch wenn es gerade bei letzteren Wahlkampfveranstaltungen vereinzelt kritische Stimmen gab - wir würden mit Gratis-Sachen "die Leute bestechen" oder mit einer 2-3 stündigen Wahlkampfveranstaltung "lokalen Unternehmen den Umsatz kaputt machen" - wenn ein Stück Pizza ausreichen würde um 'ne Stimme zu sichern wäre Wahlkampf wirklich billig, im doppelten Sinne, und ich hätte kein neues Paar Schuhe gebraucht. Und Haribo geht bestimmt pleite weil wir einen Abend lang gratis Gummibärchen von 'ner anderen Firma verteilen, jep. Die Resonanz war in den beiden Wahlbezirken meines Heimatdorfes Frelenberg durchweg positiv. Meine Genossin und ich stießen auf sehr viele offene Türen und Ohren, und wir wurden auch von den SPD-Kritikern mit Respekt und Anstand behandelt - was für uns beide selbstverständlich auf Gegenseitigkeit beruht. Natürlich gab es auch (genau drei) Gespräche mit Menschen, die Kommunalpolitik nicht von Landes-, Bundes- und Europapolitik unterscheiden wollten (oder konnten) und - während sie mit dem Gartenschlauch den SUV in ihrer Einfahrt abspritzten - darüber meckerten wie schlecht es ihnen geht und wer ihrer Meinung nach daran Schuld sei. Der Versuch, auf bestimmte Themen dennoch näher einzugehen scheiterte immerzu daran dass dann ganz plötzlich auf ein anderes Reizthema gewechselt wurde - mehr Info gab der Papageienartig nachgeplapperte NIUS-Beitrag dann wohl doch nicht her. Aber hey, jeder Jeck ist anders, und um das Schlagloch vor deren Tür werde ich mich trotzdem kümmern. Die anderen so...

"Unser Wahlprogramm ist noch im Druck" hieß es von einer Seite, drei Wochen vor der Wahl, nachdem bereits ein mit KI-Bildern und -texten durchseuchter 08/15-Standardflyer der Landeszentrale verteilt und veröffentlicht wurde - mit Themen, die von kommunalpolitischer sowie Übach-Palenberger Realität so weit entfernt sind wie Mario Kart von der StVO. Aber wo soll das auch herkommen, dazu müsste man ja Hirnschmalz schmelzen und das Handy aus der Hand legen, oder mal mehr tun als die Aachener Zeitung nach Themen abzuklappern. Das in einem Fall der aus dem AZ-Lokalteil gemoppsten Themen der Drops gelutscht war und die Angelegenheit bereits im Rat beschlossen wurde kann man ja nicht wissen weil die Ratsprotokolle nicht als Bildergeschichte auf TikTok liefen. Und im anderen Fall lag bzw liegt die Sache in der Hand einer völlig anderen Stelle, störte aber auch nicht weiter. Hauptsache an den Desinformationsständen stehen 10 Leute herum - das 7 davon aus anderen Wahlkreisen herbeigeordert wurden sieht man auf Fotos ja nicht. "LaSsT dIe DoCh EiNfAcH mAl MaChEn, vielleicht können die das" sagt der eine oder andere. Echt jetzt? Das Wohl und Verderben, die Zukunft von fast 25.000 Menschen und deren Existenzen, unzähligen Unternehmern, Vereinen und vielen mehr stehen auf dem Spiel. Wer hier auf Experimente durch Egotripper, Verschwörungstheoretikern, Keyboard-Warriors, Kreuzrittern, "Home Video"-Stars und Menschen die gegen Energieausgleich in Euro mit toten Menschen sprechen setzt wird sein blaues Wunder erleben.


Von den "Cadenabbia-Türkisen" in ÜP gab es "Business as usual" - Kalenderblattsprüche, Interview-Videos mit Untertiteln in denen der Ortsname (drei mal) falsch geschrieben wurde, Canva-Slob auf Insta und FB, KI-Songs zu langweiligen Slideshow-Videos, dreistes aber leider schlechtes kopieren von Konzepten (gern geschehen!), (endlich) die Übernahme von (korrektem) Dorfvokabular nach 4 1/2-Jahren Ratszugehörigkeit für ebendieses Dorf (gern geschehen!), schmücken mit fremden Lorbeeren und SPD-Verdiensten aus längst vergangenen Legislaturperioden, und - wie immer kurz vor der Wahl - "Brot und Spiele"-Veranstaltungen. Nicht einmal für ein Wahlprogramm war in dieser kreativen Atacama ein Tropfen Wasser übrig. Aber leider allzu viele legen immer noch ein Wahlverhalten wie anno 1960 an den Tag - "wessen Schnapps ich trink, dessen Kreuz ich mal'"-Vereinsmeierei ist nach wie vor nicht ausgestorben.


Was ich von den Grünen hier in ÜP halten soll weiß ich immer noch nicht so recht. Grundsätzlich ist mir das Konzept "Grün" ja sympathisch - wir haben 2025, und wenn wir bei Ideen, Konzepten und deren Umsetzungen die Nachhaltigkeit außer acht lassen handeln wir als Menschen schlicht und ergreifend fahrlässig. Und dumm. Aber so im Wahlkampf? Wenig Präsenz, wenig Mut - stehen unter Beobachtung. Und wir können auch Bäume. Dann hätten wir noch die Linken, die in voller Stärke antreten. Jung, dynamisch, frech - das wird der Parteienlandschaft gut tun. Allerdings bleibt auch hier abzuwarten, ob die junge Truppe auch bei Themen außerhalb ihrer Komfortzone punkten kann. Ah, die UWG - beinahe vergessen. Soviel dazu. Noch 2 Wochen ...

Ein paar Veranstaltungen haben wir noch - mit Claudia Moll im Altenpflegeheim am 3.9., mit Sarah Philipp im CMC am 3.9. abends, mit Stefan Kämmerling in Frelenberg am 6.9., Gratis-Pommes in Boscheln, unsere Abschlussveranstaltung mit Pia Sangria in Palenberg... aber die Flyer sind verteilt, die Klinken geputzt, die Schuhe neu besohlt. Das Gros ist geschafft. Und uns allen bleibt zu hoffen, dass die Wähler*innen Vernunft walten lassen - wer mit Herz und Verstand wählt, wählt Herz und Verstand. Und wer Hass sät, wird Hass ernten.



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