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Geiz ist Geil?

  • marcelseipel
  • 21. März 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 24. Apr. 2025

Der TuS 09 Rot-Weiß Frelenberg spielt seit Jahrzehnten auf Plätzen Fußball, die aus verschiedensten Gründen der Eleganz des "Beautiful Games" eher abträglich sind.


Im Westen des Wurmtalstadions liegt der durchaus kultige "Rascheplatz", ein Platz, der beim Spiel über Außen immerhin ein fluffiges Kombinationsspiel auf Rasen zulässt; und wenn es schnell durch die Mitte gehen soll, rollt der Ball über Asche, wodurch der Begriff "Blutgrätsche" durch Eigengefährdung gleich zweierlei Bedeutung erhält - mit hoher Kante zwischen den beiden Belägen, damit beim Spiel keine Langeweile aufkommt.

Der "Rascheplatz" im Wurmtalstadion in Frelenberg
Der "Rascheplatz" im Wurmtalstadion in Frelenberg

Im Osten des Areals hätten wir noch eine Blümchenwiese - seifig, weich, könnte daran liegen dass der Untergrund im gesamten Gebiet aus hydrologischer Sicht "spannend" ist - Stichwort "Wurmtal". Das laufen und kicken darauf erinnerte mich, auch wenn meine aktive Zeit mindestens 20 Jahre her ist und wenig von Eleganz oder Erfolg gekrönt war, immer ein wenig an die aufgeweichten Deiche bei Hohenwutzen während des Oderhochwassers 1997.


Nun ist es endlich einmal an der Zeit, einem Verein, dessen Ehrenamtler und Sportler sich redlichst bemühen das Herz Frelenbergs weiter schlagen zu lassen, mal einen neuen Untergrund für's kicken zu gönnen. Ehre wem Ehre gebührt, zumal im Verein über alle Maßen viel Herzblut in die Jugendarbeit und das gesellschaftliche Leben abseits des Platzes gesteckt wird.


Bereits 2023 wurden erste Untersuchungen darüber durchgeführt ob und wie sich ein vernünftiger Fußballplatz realisieren lässt. Mit Bodengutachten, Fachplanern - so, wie es sich gehört wenn man etwas vernünftig machen will. Die Experten kamen zu dem Schluss, dass zuallererst die Bodeneigenschaften fragwürdig sind - das Gutachten stellte eine "zT sehr hohe chemische Belastung und damit signifikant höhere Entsorgungskosten" fest. Nun gut, was weg muss muss weg, nächster Punkt.

Die physikalischen Eigenschaften des Untergrunds: naturgemäß Wasser- und Frostempfindlich, weil's ja im Wurmtal und auch in einem Hochwassergefährdungsgebiet liegt, zudem kaum Versickerungsleistung des Bodens, ist ja logisch, ergibt sich ja von selbst.


Nun, wie sagt man so schön - "Probleme sind dornige Chancen". Was empfahlen denn die Experten? Nun, kurzgesagt einen neuen Platz, der den Vorschriften der DIN 18035 mit allem PiPaPo entspricht - im Idealfall mit Bewässerungsanlage, es ginge aber auch ohne.

Wovon die Fachleute abrieten, war eine Realisierung, die man bei wish.com bestellt: Also oberflächiger Abtrag des Bodens, schnell beim Gartenbau-Fachmarkt 300 Meter weiter Rasensaat kaufen und einsähen. Feddisch, billisch, Anstoß nächstes Jahr. Ob der neue Platz dann 5, 10 oder 20 Jahre halten wird weiß der Teufel mit seiner Kristallkugel, Hauptsache, es wird noch in dieser Legislaturperiode beschlossen - ein Böser, wer da schelmisch denkt.


Natürlich sind in einer Stadt, in der man sich in den Haushalts- und Finanzausschüssen nicht um Stücke einer Torte, sondern um Krümel eines trockenen Sandkuchens streitet, die Kosten kein Faktor, den man unterschätzen sollte. Bei der Billigvariante würden "nur" 350.000€ zu Buche schlagen; nicht eingerechnet freilich die Folgekosten, sobald der "neue" Platz dann wieder unbespielbar wird. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Die teuren, aber sinnigeren, weil auch zukunftssichereren Bauvarianten würden bei Kosten von jenseits einer Million Euro liegen. Happig, dafür musste man sparen, und das würde bedeuten dass der Baubeginn zeitlich um Jahre nach hinten verschoben wird und somit von den Wählern des viertgrößten Stadtteils Übach-Palenbergs im Geiste der Erinnerung nicht mehr umfänglich mit den Initiatoren des Projekt in Verbindung gebracht werden kann.


Unter dem Motto "Geiz ist Geil, nach uns die Sintflut" stimmten zu viele im Ausschuss "Bauen und Ordnung" der Stadt Übach-Palenberg am 20. März 2025 gegen die Expertise der Experten, gegen jede Logik, gegen jedwede Nachhaltigkeit oder Zukunftssicherheit. Über die Beweggründe ihres Stimmverhaltens kann man nur spekulieren, aber als eher faktenorientierter Mensch überlasse ich so etwas anderen.

Unter dem Strich ist festzuhalten, dass ein Verein, der erstklassige Arbeit leistet, und das nicht nur im sportlichen Bereich, nun voraussichtlich einen drittklassigen Fußballplatz bekommen wird.


Immerhin geht es schneller.

Immerhin ist es billiger.

Immerhin ist es eine Verbesserung des derzeitigen Zustands - fragt sich nur, wie lange.

Immerhin - das ist scheinbar für nicht Wenige das inoffizielle Motto der Stadt Übach-Palenberg.

 
 
 

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